spider krenzke
lesung/performance
€ 10/5
Termine: 24.10.
letzthin war er bei der st. ingberter pfanne, wo er großartig war, aber auch irgendwie gar nicht hingehörte. denn krenze ist kein kabarettist...
Der Mann mit dem Blatt, das lebende Hörbuch, der Geschichtenerzähler aus 1001 durchzechten Nacht – drei Beinamen , die man Andreas »Spider« Krenzke noch nicht gegeben hat. Warum eigentlich nicht? Er schreibt, er liest vor, wöchentlich bei den Berliner Lesebühnen »LSD – Liebe Statt Drogen«, den »Surfpoeten« oder als Viertel von »Blattgold Berlin«.
Der Tagesspiegel Berlin nennt ihn eine Kultfigur.
Komisch, dass die Zuhörer/innen meist lachen, denn in seinen Texten geht es um Wissenschaft, Philosophie und Politik. Jedenfalls ist das Publikum hinterher schlauer. Oder sagen wir, es weiß Dinge, die es vorher noch nicht wusste.
Andreas Krenzke, geb. 1971, erhält während der Lehre als BMSR-Techniker den Spitznamen »Spider«.
www.andreaskrenzke.de
(28.10.2008)
Lesung in der Sparte 4: Die Welt aus der Schräglage betrachtet
Saarbrücken. In der Sparte 4 tummeln sich am Freitag lauter junge Leute: Sie warten auf Andreas "Spider" Krenzke aus Berlin, ein begnadetes Vorlesetalent. In der Tat schreien seine Geschichten geradezu nach einem Vortrag - es sind knappe, um einen bestimmten Gedanken ins Abstruse gezwirbelte listig-hintersinnige Stories. Wie die vom regierungsstützenden "Arbeitslosenpark" in dem Touristen herumführende Arbeitlosendarsteller zeigen, wie toll die am Ruder doch alles hingekriegt haben: Arbeitslosigkeit als vermeintliche Museumsattraktion. Oder die Geschichte vom arbeitenden Geld, wo Euros laut klimpernd auf die Baustelle ziehen, während sich daheim die polnischen Zlotys beim Frühjahrsputz abmühen.
In der Sparte4 ist das Gelächter groß angesichts des Erzählers, der in merkwürdig verdrehen Welten zu Hause ist und alles in Schräglage aus ganz neuen Winkeln betrachtet. Männer möchten auf Streuobstwiesen von zarten Mädchenhänden gestriegelte Ponys sein, Honecker-Doubles sind die eigentlichen Helden der Grenzöffnung, und das Märchen vom Fahrscheinkontrolleur und seiner Frau, eine tolldreiste Grimm-Parodie, zeigt, dass so ein armer Gattentropf doch mal Glück haben kann - wenn er nur immer schön nett zu armen Schwarzfahrern ist. Krenzke erzählt mit Berliner Zungenschlag von harter Prenzlauer Berg-Kindheit, scheint beim Lesen hoch konzentriert und doch entspannt, liest kulleräugig ausgiebig Text um Text. Von Brillengläsern aus Biertulpenböden, innerem Austeigertum und heimarbeitenden Graffiti-Sprayern mit Sprühblockade. Lockere Zeitkritik mit philosophischen Anflügen und Liebe zum fein plazierten Wort, stundenlang kann man da lauschen. rr