szenisches treiben
true dylan
02.12.06 21:00
"Sam, Bob, eine Gitarre und ein paar Bier
Ein unverkrampftes Stück Dylan-Kult in der "sparte4" des Saar-Staatstheaters
Saarbrücken. Da sitzen zwei und plaudern ins Blaue, halten sich an Bierflaschen fest und zupfen Gitarrensaiten. Reden über James Deans Todesfahrt, Tex Mex-Musik und die rhythmische Ungleichheit von Mann und Frau. Im jüngsten Theaterspross des SST, seiner "sparte 4", herrscht "szenisches Treiben".
Gertrud Kohl und Georg Mitterstieler sind Bob Dylan und Sam in "True Dylan", einem Stück vom populären amerikanischen Dramatiker, Schauspieler und Rockmusiker Sam Shepard. Man kuschelt sich in entspannter Atmosphäre in die Sitzsäcke und verfolgt Sams anfangs unergiebige Versuche, Dylan was Konkretes aus der Nase zu ziehen. Der muss mal eben telefonieren, gibt sich extrem gelassen, schleppt irgendwann eine Gitarre an. Von da ab läuft's besser, Sams Interviewbemühungen und das Bier: die beiden spielen Dylan-Songs.
Spielstättenleiter Christoph Diem hat das Stück auf den Punkt inszeniert, geradlinig, konzentriert, ohne Brimborium. Zwei Stühle, ein Tisch, passende Musikeinspielungen: Folk, Flower Power, Rock. Gertrud Kohl mit Lockenperücke gibt einen freundlich spleenigen Dylan ab, Mitterstieler einen wissbegierigen Sam. Zwei Typen knien sich redend hinein in ihre Zeit, die unwiderruflich Dylans Stempel trägt, können ewig palavern über phänomenal gute Songtexte.
Wenn Dylan von Woody Guthrie, Skip James und Hank Williams erzählt, kommen deren Lieder vom Band. Man hat das Gefühl, sie direkt in Dylans Kopf zu hören. "True Dylan" ist Musik- und Zeitgeschichte zum Reinfühlen, prickelnd frisch, auch weil es um ein sehr wandelbares Genie geht. Locker philosophisches Geplänkel zweier großer Künstler mit intimen Momenten, ein unverkrampftes Stück Dylan-Kult, ein schöner Abend. rr" (sz 4.12)
am kalifornischen strand. sam versucht ein interview mit dylan zu führen. der ist gewohnt auskunftsunfreudig. und ein recht nachlässiger gastgeber. in der allergrößten not greift sam zur gitarre. sie reden dann doch, vor allem über musik, und - um zwei, drei ecken herum auch über sich. nach einer echten begebenheit.