szenisches treiben
tanzen!
10.02.07 21:00
"Tanzen" zum Lachen
In der sparte4 – dem kleinen Theaterlabor des Saarländischen Staatstheaters, gab es am 10. Februar die breits fünfte Premiere in dieser Spielzeit. Generalintendantin Dagmar Schlingmann selbst inszenierte das Stücken „Tanzen“ von Fritz Kater.
Nein, es ist kein Spaß, in dieser Firma zu arbeiten, die der Autor Fritz Kater uns da vor die Nase setzt. Fritz Kater ist der Name, unter dem der vielfach ausgezeichnete Dramatiker Armin Petras, der zur Zeit Intendant des Berliner Maxim Gorki Theaters ist, seine Stücke schreibt.
„Tanzen“ erzählt von einer Firma, in der irgendetwas Seltsames produziert wird. Und vor diesem Seltsamen müssen sich die beiden Mitarbeiterinnen wohl schützen. Inga, die Zartere, zwischen leiser Hoffnung, „Ich-Mach-Schluss-Mit-Allem und mit innerer Power, gespielt von Christiane Motter und Sandra, die Stärkere, zwischen Stolz und „Ein-Stück-Weit-Spiel-Ich-Euer-Spiel-Vielleicht-Mit“ und mit absolut geradem Rückrat, gespielt von Gabriela Krestan.
Sie beide müssen Plastikhauben und Plastikhandschuhe tragen und einen grünen Plastikkittel. Einen Plastikkittel, auf dem ein Emblem prangt, das man wohl zuerst für Bohnen oder Zellen oder so was halten mag, das sich aber beim zweiten Blick als das sparte4 Logo entpuppt. Witziger Einfall – der Kostümbildner heißt Markus Maas.
Lachen nicht erlaubt
Apropos witzig. Witzig ist der ganze Abend, weil alles völlig überzogen ist in diesem schrecklichen Drama, das sich in dieser furchtbaren Firma zwischen den beiden Frauen und dem Vorgesetzten Bernie abspielt, der zwischen Wahnsinn und Methode lebt vor allem schräg ist, gespielt von Maximilian Wigger. Ein Universum ist das, in dem jeder Schritt überwacht wird. In dem jeden Moment der Rausschmiss oder auch der sexuelle Übergriff droht. In dem Tanzen nur als Währung verwendet wird und lachen – nein, lachen ist natürlich nicht erlaubt.
Ein kleiner Theaterhappen
Dagmar Schlingmann, die Generalintendantin, hat das Stück selbst inszeniert, mit leichter Hand und Sinn für Humor. Sie macht so deutlich, das ihr die sparte4, das kleine Theaterlabor mit seinen 99 Sitzen, am Herzen liegt. Das Stück dauert ungefähr eine Stunde, Schlingmann arbeitet fast ohne Bühnenbild, mit wenigen Requisiten und es zeigt genau das, was sie für diesen Ort auch angekündigt hatte: einen kleinen Theaterhappen, durchaus auch mit ein bisschen Tiefgang, aber dennoch nicht allzu schwer. Und nach dieser Stunde bleiben alle Zuschauer noch ein wenig, diskutieren und prosten sich mit den Schauspielern zu. In der sparte4 ist das Zusammenkommen also genauso wichtig wie das Theatererlebnis selbst.
[...] (a. schäfer, sr2kultur, 11.02.2007)
in einem biotech-unternehmen ist die arbeit (und nicht nur die) überwacht und reglementiert. der personal-chef braucht die unterschrift unter einen ganz und gar nicht freiwilligen aufhebungsvertrag. aber die betroffene angestellte sieht das grundsätzlich anders und macht ein riesen-fass auf. ein stück theater über eine vollständig pervertierte arbeitswelt, die ihr pendant in einer vollständig veröffentlichten privaten einsamkeit findet; verfasst vom neuen intendanten des maxim-gorki-theaters, armin petras, bzw. von dessen literarischem alter ego.